Weihnachten ohne dich

Wie wir unsere Trauer und Weihnachten miteinander vereinbaren können.

“Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke und an Heiligabend, dann kann ich das Streichholz riechen, das meine Eltern gerade benutzt habt, um die Kerzen am Baum anzuzünden. Dann höre ich die ersten Töne der Weihnachtsschallplatte, die jedes Jahr spielt und mit dem verheißungsvollen Glockenläuten den Abend willkommen heißt. Ich rieche den Duft der Tanne und spüre die Wärme des Kamins. Und dann sehe ich meinen Vater in dem roten Sessel. In seinem Sessel. Dieses Weihnachten sitzt er dort nicht mehr, denn er starb vor zweieinhalb Jahren. Seitdem ist Weihnachten anders- auch wenn es durch das Erwachsenwerden und eigene Kinder und so vieles bereits anders war - dieses “anders” tut unfassbar weh.”

Wenn wir trauern, dann ist Weihnachten oft eine erschreckend große und zusätzliche Belastung. Die Feiertage können fürchterlich werden, wenn jemand zum ersten Mal oder schon wieder fehlt, aber es gibt sie - diese kleinen Anker inmitten des Weihnachtschaos. Da sind viele Anregungen und Ideen, wie wir diese Zeit erträglicher machen und wie wir mit unseren Verstorbenen neue Wege und Rituale in der Weihnachtszeit finden können. 

Ein paar Tipps haben wir hier zusammengetragen:

1.) Ein weiteres Gedeck Eine in Amerika recht verbreitete Tradition ist es, ein weiteres Gedeck bzw. einen weiteren Platz für den Verstorbenen zu decken. So bleibt keine Lücke, sondern ein ganz deutlicher Platz für diejenigen, die wir vermissen.

2.) Klar kommunizieren Müssen muss man gar nichts - deswegen sollten wir klarstellen, wo unsere Grenzen sind. Im Idealfall klären wir mit den Menschen, mit denen wir Weihnachten verbringen, ganz eindeutig, was wir wollen und was wir nicht wollen. Vielleicht lösen sich an diesem Punkt auch alte Traditionen und vielleicht entstehen so auch neue Räume für Rituale, die den Verstorbenen integrieren.

3.) Weihnachtsessen Es gibt natürlich die klassischen Weihnachtsgerichte und vielleicht behält man sie bei, oder aber man integriert etwas, das der Mensch, der fehlt, gerne gegessen hat. An welcher Stelle oder wie intensiv dieses Integrieren stattfindet, kann man ganz nach dem eigenen Bedürfnis und Empfinden gestalten. Vielleicht ist es das Lieblingsdessert des Verstorbenen oder nur eine Beilage oder eine Zutat, die an ihn oder sie erinnern soll.

4.) Ein Ornament Eine weitere Idee ist es ein Ornament oder einen ganz individuell gestalteten Weihnachtsschmuck in Gedenken anzufertigen und zu einem Teil der gewohnten Weihnachts-Dekoration werden zu lassen- auch für all die kommenden Jahre. 

5.) Listen Wenn es um die Organisation in der Weihnachtszeit geht, dann können To-do-Listen helfen. Die Trauer macht uns vergesslich und die Feiertage sind manchmal wirklich unübersichtlich bei all den Terminen und Erledigungen, die man im Blick behalten möchte. Sollte man also an viel denken müssen, da man in mehrere Weihnachtsprozesse involviert ist, dann kann eine ausführliche Checkliste, die Planung erleichtern.

6.) Hilfe annehmen Wenn man in akuter Trauer ist, dann wird einem oft bzw. gerade in der Weihnachtszeit viel Hilfe angeboten. Gönnt euch Verschnaufpausen und nehmt diese Hilfen an. Gibt es Situationen, in denen ihr Hilfe braucht aber gerade kein Helfer zur Stelle ist, dann scheut euch auch nicht danach zu fragen. Die Weihnachtszeit ist eine so schwere Zeit, wenn man einen Verlust durchlebt. Da ist es das natürlichste der Welt, wenn man das nicht alleine durchstehen kann oder will.

7.) Keine große Feier Lasst Weihnachten Weihnachten sein, wenn ihr es euch wirklich nicht vorstellen könnt, zu feiern. Ihr habt die Freiheit, das zu tun, was richtig für euch ist. Wenn es euch vor dem Weihnachtsfest und den Feiertagen zu sehr graust, dann ist es euer gutes Recht, dieses Jahr nicht zu feiern.

8.) Die innere Stimme Hört auf euer Herz und tut einfach genau das, was sich am besten anfühlt. Vielleicht passt keiner der Tipps, vielleicht passen viele. Was auch immer eure innere Stimme wünscht, solltet ihr berücksichtigen und im Austausch mit Familie und Freunden findet ihr einen Weg dieses Weihnachtsfest zu überstehen und vielleicht sogar schöne Erfahrungen zu machen und Momente zu genießen. Denn auch das ist ok - auch in tiefster Trauer darf gelächelt oder Glück empfunden werden.  Generell gilt zu Weihnachten die gleiche Regel wie auch davor und danach: In der Trauer ist alles erlaubt, was sich richtig anfühlt und was wir brauchen, solange wir keinem anderen damit schaden.

Passt auf euch und aufeinander auf und kommt gut durch die Weihnachtszeit!

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