Trauerbegleitung - was ist das?

Wenn Trauer eine natürliche Reaktion auf einen Verlust ist, dann braucht es oft nur die Zuwendung und Gemeinschaft, um mit mit der eigenen Trauer umzugehen. Aber wie und wo bekommt man Unterstützung?

Oft scheint eine Beratung durch psychologische Fachkräfte, sprich einer Psychotherapie, der einzige Weg. Allerdings ist vielen Menschen diese Entscheidung zu drastisch und sie wollen sich mit der Trauer lediglich mehr auseinandersetzen und bleiben letztendlich ohne Hilfe in ihrer Trauer, da sie nicht wissen, dass es z.B. Trauerbegleitung gibt. Deswegen stellen wir hier ein paar sehr kreative und hilfreiche Angebote vor, die dabei helfen mehr über die eigene Trauer zu lernen. ( Natürlich sollte man bei persönlichem Bedenken oder der Sorge um Angehörige niemals eine psychotherapeutische Begleitung ausschließen, wir zeigen nur andere Angebote und Möglichkeiten zur Begleitung auf. )

Einzelgespräche

Es gibt einige Trauerbegleiter, die auch einen Background als Coach haben oder als Heilpraktiker für Psychotherapie haben, sodass eine fundierte, vielfältig gestaltbare Einzelbegleitung sehr viel bewirken kann. Manche Trauerbegleiter oder Trauercoaches berichten teilweise von Menschen, denen bereits 2-3 Sitzungen halfen, um eine Orientierung zur Trauer zu erhalten und dann mit dem Beistand von Freunden und Familie wieder alleine diese Erfahrung weiter zu leben. Je nachdem wie komplex die eigene Situation ist, gibt es aber natürlich keinen Maßstab dafür. Alternativ gibt es Psychologen, die sich auch auf Trauer spezialisiert haben, sodass dort eine ähnliche Betreuung angeboten wird. Der Unterschied liegt hier meist in der speziellen Ausbildung zur Trauerbegleitung. Coaches, Ehrenamtliche uvm. absolvieren oft diese Ausbildung und legen ihren Fokus oder sogar ihre ganze Tätigkeit auf den Bereich der Trauer. Psychologen hingegen schöpfen ihr Wissen aus der generellen Grundausbildung eines psychologisch spezialisierten Arztes.

Trauer-Gruppen

Vielleicht sind sie euch noch nie aufgefallen, weil ihr sie glücklicherweise auch nicht gebraucht habt-  doch es existieren wirklich tolle Trauergruppenangebote überall in Deutschland. Oft treffen sich Trauernde von 3-10 Personen plus im Schnitt 2 Trauerbegleiter, die die Gruppe durch die gemeinsamen 1-2 Stunden führen. Aus Erfahrung können wir sagen, dass keine Trauergruppe wie die andere ist. Das bestimmen alleine schon die verschiedenen Menschen mit ihren einzigartigen Schicksalen in ihrem Aufeinandertreffen. Sehr oft gibt es spezielle Gruppen für die Art des Verlusts, z.B. für verwaiste Ehefrauen, Sterneneltern oder Kinder-Trauergruppen.

Geschlossene Trauergruppen haben eine bestimmte Laufzeit und eine Anmeldefrist, nach welcher meist keine weiteren Mitglieder aufgenommen werden- erst bei einer neuen Gruppe, sozusagen einem neuen Durchlauf.Offene Trauergruppen ermöglichen einen kontrollierten Zulauf von neuen Mitgliedern auch nach dem eigentlichen Beginn der Trauergruppenlaufzeit. 

Selbsthilfegruppen werden, wie der Name bereits vermuten lässt, von Menschen initiiert, die selbst mit Verlusten konfrontiert sind. Hier liegt der Fokus oft vor allem auf der Hilfestellung durch den Erfahrungsaustausch und das Gemeinschaftsgefühl, wobei bei “angeleiteten” Trauergruppen auch oft konkrete Themen, Übungen, kreative Arbeiten etc. mehr involviert werden. 

Trauercafé

Das Trauercafé ist eine Form der offenen Trauergruppen und läd’ zum Austausch bei Kaffee und Kuchen oder Keksen ein. Auch hier spezialisiert man sich manchmal auf die Art des Verlusts oder auch konfessionell. Durch das liebevolle “Kaffeeklatsch”-Ambiente und der Kombination aus Essen und Reden können, erleichtert es vielen Trauernden den Gedanken sich zu dieser Begegnung mit Gleichgesinnten durchzuringen. Oft isoliert Trauer ganz automatisch, auch wenn man natürlich nicht allein sein möchte. Da ist der erste Schritt meist schwer und bei einem Trauercafé vielleicht einfacher und auch unverbindlicher.

Trauerspaziergang

Trauerspaziergänge werden meist regelmäßig, sehr oft über Hospize aber ebenso auch von Trauerbegleitern angeboten. Sowohl einzeln als auch in Gruppen wird spaziert, manchmal auch gewandert. Die Zeit und Strecke variiert aber der Effekt von frischer Luft, Beine vertreten und sich die Seele für einen Moment leichter zu reden, ja das haben all die Angebote für Trauerspaziergänge gemein. 

Zu guter Letzt: Bücher!

Wir berichten stets gerne über Bücher, die sich dem Lebensende annehmen und zu unserer Freude werden es immer mehr. Teilweise stellen wir hier in unseren Buchtipps immer wieder eine neue Lieblingslektüre zur Trauer oder angrenzenden Themen vor. Ein Buch kann ein schöner Einstieg sein, um sich mit der eigenen Trauer Schritt für Schritt und Seite für Seite in einem ganz eigenen Tempo zu nähern. 

Unsere Verlosung! Wir freuen uns sehr, dass wir im Rahmen unserer Emmora Endlichkeitswoche und anlässlich des Memento Tages zwei Trauerbuch-Pakete verlosen können und bald auf den Weg schicken dürfen! Die Verlosung beginnt am 05.08.2020 und endet am 12.08.2020, mit der Bekanntgabe der Gewinner um 08:08Uhr. Teilnehmen und Mitfiebern, könnt ihr über Facebook oder Instagram. Die wunderbare Eva Terhorst hat uns ihre Bücher zu “Das erste Trauerjahr” zur Verfügung gestellt und somit erhalten die Gewinner ein Buch über das theoretische Wissen zum ersten Trauerjahr und eines, das sich ganz praktisch und mit Übungen zur Trauerarbeit beschäftigt. Mehr über Eva und auch über Trauer, erfahrt ihr in ihrem Trauerradio: https://trauer-radio.de/

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