Trauer im Leben einer Familie

2016 bat Familie S. bestehend aus einer Mutter mit zwei Kindern (L. 9 Jahre und J. 11 Jahre) den Hospizverein um Unterstützung bei der häuslichen Pflege der 92 Jahre alten Großmutter. Der Hospizverein Hagen a.T.W. schickte daraufhin zwei ehrenamtliche Begleiterinnen zur Hilfe in die Familie. Eine davon war Frau Vogelpohl. Heute findet noch ein reger Kontaktaustausch zwischen der Familie und Frau Vogelpohl statt, weshalb auch dieser Bericht gemeinsam verfasst wurde.

Frau Vogelpohl: Bei der Sterbebegleitung von Frau S. lernte ich eine sehr liebe- und rücksichtsvolle, wertschätzend miteinander umzugehende Drei-Generationen-Familie kennen. Alle Bedürfnisse sollten ernst genommen werden, und so entwickelte sich eine Begleitung der gesamten Familie. Besonders die Kinder L. (9 Jahre) und J. (11 Jahre) hatten ein großes Bedürfnis, ihre Trauer um ihre verstorbene Oma zu artikulieren. So wünschten sie, sich mit Fürbitten aktiv in den Gottesdienst bei der Beerdigung einbringen zu können. Wir gingen direkt in die Kirche, um diese vorzubereiten und zu proben. Ich vergesse nie die Begeisterung und die Fantasie bei der Formulierung der Fürbitten: die Liebe zur Oma, ihre Großherzigkeit, Naturverbundenheit und Wärme sollten gewürdigt werden. Es war sehr ergreifend, die Kinder dann im Gottesdienst zu erleben. Die Mutter war froh, dass es den Kindern möglich war, ihre Gefühle zu benennen und in der Familie gemeinsam zu trauern. Auch nach Jahren ist die Verbundenheit zur Oma noch spürbar. Es ist immer wieder schön, von der Familie kontaktiert zu werden. Ich erlebe jetzt Jugendliche, die sich gut in die Gefühle anderer trauender Menschen, besonders Kinder hineinversetzen können. Sie haben Trauer und besonders die Unsicherheit wie Erwachsene erlebt. Wir müssen Kinder in ihrer Trauer ernst nehmen, wir können viel von ihnen lernen.

Text: Frau Vogelpohl, ehrenamtliche Hospizbegleiterin

"Wir müssen Kinder in ihrer Trauer ernst nehmen, wir können viel von ihnen lernen."

Fürbitten:

1. Lieber Gott, wir wissen, dass unsere Oma viele schwere und schöne Sachen erlebt hat. Wir danken dir, dass sie trotz ihres Alters doch noch so viele schöne Sachen mit uns erlebt hat. Wir bitten dich, lass uns in der Familie noch weiterhin schöne Sachen erleben. (L., 9 Jahre) 2. Lieber Gott, wir danken dir dafür, dass Oma immer für andere da war und keinen vergessen hat. Sie wollte, dass es allen gut geht. Wir bitten dich, dass wir auch füreinander da sind. (J., 11 Jahre) 3. Lieber Gott, wir danken dir, dass unsere Oma so ein langes und schönes Leben hatte. Schenke uns auch ein langes Leben. (L. 9 Jahre)

4. Lieber Gott, unsere Oma hat eine von mir selbst genähte Eule als Beschützer und Schutzengel. Wir bitten dich, dass alle Menschen auf der Welt auch einen Schutzengel haben. (J. 11 Jahre)

5. Lieber Gott, wir bitten dich, dass es Oma auch im Himmel gut geht. (L. 9 Jahre)

6. Lieber Gott, du hast unseren Garten blühen und gedeihen lassen. Unsere Oma hat daraus Sirup und viele andere Leckereien hervorgezaubert. Wir bitten dich, dass wenn wir die Früchte essen uns noch immer an ihren Geschmack erinnern. (J. 11 Jahre)

7. Lieber Gott, wir bitten dich, dass die Menschen auf der Erde nicht so traurig sind, denn ich weiß, dass Oma immer bei uns sein wird. (L. 9 Jahre)

8. Lieber Gott, wir bitten dich für die Kranken in unserer Familie, dass sie auch noch ein schönes Leben haben. Wir bitten dich auch für alle, die schon verstorben sind, dass sie mit Oma und allen wieder zusammenkommen. (J. 11 Jahre)

Frau S.: Als meine Kinder diese Fürbitten in der Kirche vorgelesen haben, war dies für mich einer der berührensten Momente, während der Beerdigung meiner Mutter. Meine Kinder zeigten mir, dass Schmerz und Dankbarkeit nebeneinander existieren können. Heute sagt meine Tochter J. mit 15 Jahren: ,,Jeder Mensch trauert auf seine eigene Art und Weise. Hat man in dieser schweren Zeit jedoch jemand, der einem zur Seite steht, kann dies eine große Hilfe und Unterstützung sein. Es ist nicht immer leicht auf trauernde Menschen zuzugehen und oftmals gibt es sowohl bei den Betroffenen selbst als auch bei den umstehenden Menschen Unsicherheiten. Doch wichtig ist, egal wie oder wie lange ein Mensch trauert oder Beileid zeigt, dass nichts falsch gemacht werden kann und man sich nicht für seine Gefühle schämen muss!“ Ohne den Hospiz und Frau Vogelpohl hätte es gut passieren können, dass wir mit unserer Trauer in unseren Gefühlen verstummt wären. Dank Frau Vogelpohl ist dies jedoch nicht passiert. Wir können nur jeden ermutigen die Hilfe des Hospiz anzunehmen.

,,Jeder Mensch trauert auf seine eigene Art und Weise. Hat man in dieser schweren Zeit jedoch jemand, der einem zur Seite steht, kann dies eine große Hilfe und Unterstützung sein."

Text: Frau S., Tochter der Verstorbenen und Mutter von L. und J.


Über die Autorin:

Maria Vogelpohl ist, Jahrgang 1951, Ehefrau, Mutter und Großmutter, und seit zehn Jahren ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiterin im Hospizverein Hagen a.T.W..

"Für mich ist es wichtig, der Trauer über den Abschied für die sterbenden Menschen und ihren Angehörigen Raum, Zeit und eine Sprache zu geben."

Der Hospizverein Hagen a.T.W. wurde im Jahr 2012 gegründet. Gemeinsam mit sozialen, religiösen und karitativen Einrichtungen möchte der Verein die Kultur des Sterbens, des Trauerns und des Abschiednehmens im alltäglichen Leben in der Begegnung fördern und weiterentwickeln.

Mehr Informationen zum Hospizverein Hagen ATW findest Du hier: http://www.hospizgruppe-hagen-atw.de/

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