Neujahrsvorsätze für Trauernde

Lasst euch zum neuen Jahr inspirieren, nehmt mit, was ihr gebrauchen könnt und lasst hier, was euch nicht zusagt.

Wenn man trauert, sorgt der Jahreswechsel für gemischte Gefühle. Und dann ist da dieser Zwiespalt - man trauert zutiefst, aber möchte auch mit einem Ritual oder gar Vorsätzen dieses neue Jahr willkommen heißen und in irgendeiner Form teilnehmen. So widersprüchlich wie das auch klingen oder sich anfühlen mag, gibt es vielleicht einen Mittelweg. Der besteht darin, dass wir uns der Selbstfürsorge widmen und uns für unsere Trauer öffnen. So können wir das neue Jahr mit ein paar Vorsätzen begehen, die sich richtig anfühlen. Lasst euch zum neuen Jahr inspirieren, nehmt mit, was ihr gebrauchen könnt und lasst hier, was euch nicht zusagt. Wir wünschen euch, dass diese Ideen helfen und wünschen Kraft und auch Freude bei der Umsetzung. 

  1. Redet darüber!

    Falls ihr bisher vermieden habt, über eure Trauer und den Verlust zu sprechen, dann ändert dies doch vielleicht in 2020. Beispielsweise könnt ihr damit anfangen, ehrlich auf das “Wie geht es dir?” zu antworten. Damit verschafft ihr euch Erleichterung und vielleicht sorgt das auch für mehr Verständnis bei Freunden oder der Familie, wenn ihr ehrlich darüber redet, was euch bewegt.

  2. Hallo Glück!

    Es scheint immer schwierig, wenn wir über Gefühle wie Glück, Liebe, Spaß und Freude innerhalb unserer Trauer nachdenken. Oft fühlen wir uns schuldig, wenn wir nicht schweigend und weinend weiter trauern. Aber auch in der absoluten Liebe und Trauer um einen Menschen sollten wir uns für das Glück öffnen. Wenn es uns im nächsten Jahr begegnet, sollten wir es annehmen! Es ist kein Verrat. Es ist nur richtig, wenn wir wieder mehr Freude am Leben finden und dabei können wir trotzdem unsere Verstorbenen mit uns nehmen. Keiner wird vergessen, es wird nur wieder erträglicher und wir lernen, mit der Trauer weiterzuleben. 

  3. Lerne etwas über Trauer!

    Wenn du erst einmal weißt, wie groß Trauer ist, wie facettenreich sie sich entwickeln kann und welche Erfahrungswerte in all den Trauerlektüren steckt, dann kannst du dich selbst und auch deine Umwelt vielleicht besser verstehen. Das ist wohlmöglich die beste Grundlage, um in den Austausch mit dir selbst und deiner Trauer zu gehen und Trauerarbeit ganz aktiv zu leisten. Bei unseren monatlichen Emmora Meetups widmen wir uns vielen wichtigen Themen und somit auch der Trauer- fühle dich herzlich eingeladen, diesem Austausch beizuwohnen.

  4. Erinnerungsrituale

    Wenn man sich den Möglichkeiten und Optionen der Trauerarbeit öffnet, erfährt man viel über verschiedene Rituale, die wir in Gedenken an einen geliebten Menschen in unser Leben integrieren können. Natürlich kann man aber auch selbst ganz individuelle Ideen entwickeln, z.B. an den Gedenktagen einen Brief an den Verstorbenen schreiben oder regelmäßig in ein Erinnerungsbuch schreiben, um nur zwei von zig Möglichkeiten zu nennen. Rituale beruhigen und festigen uns. Wenn wir welche zur Erinnerung nutzen, geben wir dem Verstorbenen einen festen Platz im Hier und Jetzt.

  5. Land in Sicht

    Eine Reise ohne diesen einen Menschen ist schier undenkbar. Das ist ein ganz üblicher Gedanke, wenn man zwar aus dem Hier und Jetzt ausbrechen, aber nicht ohne den Verstorbenen verreisen will. Abgesehen von zahlreichen Trauerreisen-Angeboten, könnte es da nicht noch einen Kompromiss geben? Warum nicht eine Reise, die er oder sie immer machen wollte oder in ein Land, dass der Verstorbene sehr gerne mochte. Vielleicht mit gemeinsamen Freunden, vielleicht alleine. Seid mutig und plant eine Reise in diesem Jahr!

  6. Werdet “Erinnerer”

    Nennt eure Verstorbenen beim Namen und teilt die schönen Erinnerungen, die ihr an sie habt. Zum Einen ist das schön für den Austausch in der Familie des Verstorbenen und zum Anderen natürlich auch für Freunde und Bekannte. Es entsteht eine ganz wundervolle Dynamik und Wärme, wenn so viele Geschichten und Momente aus all den Blickwinkeln aufeinandertreffen und ausgetauscht werden. Ob regelmäßig oder zu besonderen Anlässen, lasst Erinnerungen gemeinsam aufleben.

  7. Meditieren & im Hier und Jetzt sein

    Es braucht nicht sofort ein Retreat oder eine Dauerkarte für ein Yoga-Studio zu sein. Allerdings kann Meditation uns dem Moment näher zu bringen. Wenn wir meditieren, dann sind wir zum einen ganz bei uns und zum anderen erleben wir uns im Hier und Jetzt. Manchmal, wenn uns die Trauer mit der Vergangenheit fesselt und wir nur ungern an ein Morgen denken, dann nützen uns Hilfsmittel wie das Meditieren, um für einige Augenblicke loszulassen und ungetrübt die Gegenwart zu spüren.

  8. Schenk dir Zeit

    Wenn das alles noch zu viel ist oder noch nicht das richtige dabei war, dann ist dieser letzte Tipp noch eine ganz allgemeine, einfache und universell gültige Idee zur Selbstfürsorge. Ab und an und in regelmäßigen Abständen solltest du dir Zeit nehmen. Und zwar Zeit für dich selbst. Nimm dir Zeit für etwas, das dich inspiriert, Kraft oder Ruhe spendet. Zeit für etwas, das du brauchst oder das dir gut tut. 

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