Muttersein ist facettenreich

Gedanken einer verwaisten Mama zum Muttertag

Heute ist Muttertag.

 Für Marie bedeutet dieser Tag von ihrem Sohn Tim Frühstück ans Bett zu bekommen. Ein selbst gemaltes Bild von ihm ist sogar auch dabei. Er hat sich wirklich Mühe gegeben und nicht einmal über die Linien gemalt.

Für Anne ist dieser Tag und die Zeit darum ein wahrer Spießrutenlauf. Überall Blumen- und Pralinenwerbung. Überall glückliche Mütter. Anne hat vor wenigen Wochen ihre Tochter Fiona in der 23. Schwangerschaftswoche verloren. Muttertag ohne Kind an der Hand – für sie absolut schmerzhaft. Und an ihrer Rolle als Mutter zweifelt sie auch. Ist sie jetzt überhaupt noch Mama? 

Für Karin bedeutet der Muttertag mit ihrem Mann und ihrem Sohn gemeinsam im Garten selbstgebackenen Kuchen zu essen – Papa und Sohn haben sie freudestrahlend damit überrascht. Wer unsichtbar für die Augen, aber überdeutlich für die Herzen, mit dabei ist: Ihre kleine Tochter Emma, die vor drei Jahren an einem schweren Herzfehler gestorben ist.

Und dann ist da noch Vanessa, die am Muttertag besonders an ihre eigene Mutter denkt. Ihre Mutter, die sie erst vor kurzem an den Krebs verloren hat. Ihre Mutter, der sie nicht mehr sagen kann, wie sehr sie sie liebt. 

„das Leben ist bunt“

All diese Situationen und Namen sind frei erfunden.  Und doch passieren genau diese Geschichten überall um uns herum. Sie sind nicht die Ausnahme. Sie sind das Leben - und das Leben ist bunt. Muttersein hat viele Gesichter. Ich habe nur ein paar wenige davon beschrieben. Und weil das Muttersein viele verschiedene Facetten hat, sollten – eben auch am Muttertag - all diese so sehr unterschiedlichen Mütter bedacht werden. 

„ich bin auch Mama“

Aus genau dieser Intention heraus, habe ich auf meinem Instagram-Kanal @juliabegleitet die Aktion #ichbinauchmama gestartet. 

Mit dieser Aktion möchte ich deutlich machen, dass es all diese Facetten des Mutterseins gibt. Wir alle stehen an völlig unterschiedlichen Punkten in unserem Leben, aber wir haben eines gemeinsam: 

Wir sind alle Mütter.

Und ich möchte mit der Aktion ebenfalls das Thema verwaiste Eltern weiter in die Mitte der Gesellschaft bringen. Noch immer sind die Themen Tod und Trauer im Allgemeinen und der Kindsverlust im Besonderen Tabuthemen. Damit die Betroffenen allerdings ihre Trauer offen leben und über Ihre Liebsten sprechen können, müssen diese Themen dringend aus der Tabuecke geholt werden. Hast du das Bedürfnis zu sagen: „Ich bin auch Mama“, dann nimm gerne an meiner Aktion teil und mache den Muttertag damit noch bunter. Alle Infos dazu findest du auf meinem Instagram-Kanal im Highlight „Muttertag“.

„am Muttertag keine Mutter vergessen“

Warum mir diese Themen so sehr am Herzen liegen?

Ich bin selbst verwaiste Mutter und weiß darum, wie es ist, nicht als Mutter gesehen zu werden. Nicht nur am Muttertag. Erst jetzt, wo meine Zweijährige neben mir herumtollt, werde ich als Mutter wahrgenommen. Dabei bin ich nicht nur ihre Mutter. Ich bin auch Mutter von zwei Kindern, die fest in meinem Herzen weiterleben. Unsichtbar für meine Umgebung, jederzeit präsent für mich.

Und so bitte ich darum, am heutigen Muttertag keine Mutter zu vergessen. Schauen wir nach rechts und links und nehmen all die Mütter in ihrem unterschiedlichen Muttersein wahr. Reichen wir einander die Hände und lasst uns sagen: Wir sind alle Mama.

Ich wünsche dir von Herzen einen wunderschönen Muttertag – du bist eine einzigartige Mama! 

Julia von „Julia begleitet“

 

Portrait: „Julia Begleitet“

Dahinter steht Julia,  Trauerbegleiterin, Gesundheitsberaterin und Mutter von zwei Kindern im Herzen und einem an der Hand. Sie schreibt über die Themen Kindsverlust, Tod und Trauer und den langen und steinigen Weg zurück ins Leben. Dabei steht sie verwaisten Müttern mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen, aber auch dem Fachwissen aus der Trauerbegleitung und der Gesundheitsberatung stärkend zur Seite.

 Website juliabegleitet.de

Instagram @juliabegleitet

Facebook @juliabegleitet

Facebook-Gruppe Julia begleitet - die Community für verwaiste Mütter

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