Liebe und Vorsorge

Ja, ich will... mit dir über Vorsorge reden!

Während Amor heute alle Hände voll zu tun hat, wedeln wir mit diesem verbalen Zaunpfahl in Form eines Artikels, um euch an Bestattungsvorsorge, das Schreiben eines Testaments usw. zu erinnern. Und das passt ganz hervorragend, denn sich um solche Dinge zu kümmern ist ein Akt der (Nächsten-)Liebe.

Eigentlich sollte in den ungeschriebenen AGBs des Ja-Wortes auch ein Absatz zum Testament, der Patientenverfügung und zu allen anderen Optionen der Vorsorge vorhanden sein. Es ist die grundlegende Akzeptanz von Leben UND Tod und die einfache Tatsache, dass sich jemand um uns und ein bürokratisches Chaos kümmern muss, wenn wir sterben. Das müssen wir begreifen und annehmen. Im nächsten Schritt muss man sich überlegen, was man will und was nicht. Das kostet Überwindung, Zeit und Nerven aber all das bleibt unseren Angehörigen erspart, wenn wir uns darum kümmern. Wer jetzt zustimmend nickt und sich lieber wieder “schöneren” Dingen widmet, dem sei gesagt: Das mit dem “Mach ich irgendwann!” klappt nicht mal bei vergleichsweise unwichtigen Dingen. Das heißt Aufschieben geht nicht, wenn wir den Wert dieser Vorsorge erst einmal verstanden haben. 

Um es mal auf den Punkt zu bringen: Vorsorge ist pure Fürsorge. Uns obliegt nicht nur die Planung unseres Geburtstages oder Hochzeitstages, sondern auch die für unsere Beerdigung. “Und nach mir die Sintflut” geht nicht, wenn uns an unserem Partner und an unseren Kindern etwas liegt und ich gehe fast davon aus oder hoffe zumindest sehr, dass das bei den meisten der Fall ist. Egal unter welchen Umständen wir abtreten – es wird nie leicht für die, die zurückbleiben. Wenn die Menschen, die um uns trauern zudem noch finanzielle, ethische und logistische Meisterwerke in der Bestattungsplanung vollbringen müssen, ist das doch eine verkehrte Welt.

Diese Herzensmenschen sollten einen Brief oder ein ähnliches Schriftstück in den Händen halten. Eines, welches wir zu ihrer Entlastung verfasst haben und welches Klarheit schafft – z.B. darüber wo das Geld für die Bestattung ist. Denn neben einem Auto und schönen Reisen haben wir uns natürlich auch um unsere letzte Reise gesorgt und darüber wie wir diese finanzieren wollen. Vielleicht waren wir sogar so mutig und pfiffig und haben bereits einen Bestatter auserwählt und mit ihm eine Bestattungsvorsorge abgeschlossen. Und dann möchten wir vielleicht bestimmte Leute auf unserer Beerdigung wissen. Woher sollen sie davon erfahren, wenn wir keine letzte Gästeliste schreiben? Was ist mit der Musik? Wollen wir es riskieren, dass unser einzigartig guter Musikgeschmack durch einen Mangel an Verständnis oder Wissen untergraben wird und auf der eigenen Beerdigung etwas läuft, das keinesfalls uns entspricht? Vielleicht soll die Beisetzung leise, schnörkellos und in kleinem Kreis oder gar ohne Feier erfolgen? Auch das sollten wir festhalten. Wie verschwendet wäre die für andere Dinge benötigte Kraft unserer Freunde und Familie, wenn sie voller Liebe eine Bestattung planen, die wir so nicht gewollt hätten. Spätestens jetzt wird wohl klar, dass dieses Schriftstück auch aus Liebe zu uns selbst entsteht. Wir dürfen diesen eigenen Abschied planen, den Andere von uns nehmen. 

Jede Beziehung bedeutet ein gesundes und unwiderrufliches Maß an Verantwortung füreinander und sie endet nicht einfach mit dem Tod. Diese Verantwortung ist der warme Sommerregen aus unserer Wolke 7, der durch gemeinsame Lebenswege bis in die Erde sickert, in der wir unsere letzte Ruhe finden. 

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