Was haben Liebe und Tod miteinander zu tun? Woran denken wir, wenn wir diese zwei Begriffe vereinen und was sagt das über uns aus?

“Bis dass der Tod uns scheidet” - zack, Ring am Finger, Kuss, Foto, Konfettiregen und schon ist das Wörtchen “Tod” wieder aus unserem Bewusstsein gestrichen. Nicht nur im Alltag sondern auch beim eben skizzierten Heiratsritual verdrängen wir den Tod systematisch, obwohl er hier sogar explizit genannt wird. Ich möchte gar nicht zu sehr auf den vielfältigen Gründen dafür rumreiten, sondern viel mehr von einem kleinen Experiment zum Thema Liebe & Tod erzählen, das mir bewies wie unterschiedlich und richtig jeder für sich einen guten Umgang mit der Liebe und dem Tod finden kann. Es erwarten euch (mindestens) drei Erkenntnisse, die euch zu diesem Thema inspirieren können.

Was fällt dir zu Tod & Liebe ein?

Ich wusste, der Valentinstag steht bevor, es wird eine wunderschöne herzerwärmende Kolumne von Sabrina Andorfer zum Thema “Liebe des Lebens” geben und dann stand noch meine Kolumne ins Haus. Ich nahm den Faden “Liebe” und den stets roten Faden von Emmora, nämlich das “Lebensende” und knüpfte sie aneinander. So fand ich mich, wie schon des Öfteren, über diese große Frage staunend wieder: Wie sehr beeinflusst der Tod die Liebe? Doch ich wollte keinen alten, meinem Kopf entsprungenen Gedankenbrei wieder aufwärmen, also nahm ich mir mein Handy und fragte, ohne eine Erklärung, drei sehr verschiedene Menschen aus meinem Freundeskreis: “Was fällt dir zum Thema Tod und Liebe ein?”

Die Liebe als treibende Kraft

Eine Freundin antwortete mir in Stichpunkten UND gemeinsam mit ihrem Mann. Das ist etwas, das ich sehr befürworte und über ihre Selbstverständlichkeit das gemeinsam zu beantworten, freute ich mich sehr. In Beziehungen spricht man oft über so vieles und oft über alles scheinbar Wichtige aber der Tod zieht auch da echt immer den Kürzeren- eigentlich! Die Stichpunkte ihres gemeinsamen Brainstorms waren u.a. “Leben”, “Familie & Generationen”, “Weiterleben durch Erinnerungen”, “Oma”, “Schmerz”....Ich las die Worte zu ihren Gedanken, vermengte sie mit dem Gefühl, das sie als Paar ausstrahlen und in mir zeichnete sich folgendes Bild: Ich sah die zwei vor mir, Rücken an Rücken und furchtlos, gemeinsam auf das Leben um sie herum blickend. Zwei Menschen als Einheit, die ihre Liebe als Sicherheit spüren und den Tod dadurch nachvollziehbar aus dem Bewusstsein auslagern (dürfen). Er war nur ein “Ding” unter Millionen anderen, das sie gemeinsam überstehen würden. Ich glaube, dass das nicht nur ein richtig gutes Gefühl, sondern auch eine ziemlich perfekte Ausgangssituation ist, um mit dem Tod umzugehen. Wenn die Liebe, die treibende Kraft ist und man aktiv und jeden Tag aufs Neue die Liebe pflegt und am Leben hält, dann hat man vielleicht längst begriffen, was der Tod einem beibringen könnte: Nämlich die Kostbarkeit des Moments zu verinnerlichen, weil wirklich ALLES vergänglich ist. 

Den Tod im Hinterkopf behalten und mutig leben

Für meine Freunde waren es vielleicht nur Worte, die sie mir zukommen ließen- für mich sind es Hinweise, Brotkrumen auf ihrem Weg im Umgang mit der Liebe und dem Tod. Es ist für mich der Beweis, dass sie bereits den einen oder anderen Abschied gemeinsam und in Liebe erfahren haben und das Vertrauen ineinander größer ist als die Angst vor Verlusten.

So kam ich zu meinem ersten Fazit: Man muss den Tod selbst nicht ständig vor Augen haben- im Hinterkopf behalten reicht, solange man das Leben in jedem seiner Augenblicke bedingungslos achtet, liebt und sein Herz für alle Erfahrungen offen hält. So wie diese zwei Menschen.

Die Endlichkeit als Fundament der Liebe

Bevor ich diesen nächsten Freund fragte bzw. in Gedanken an diese Kolumne über dieses Thema nachdachte, habe ich mich eigentlich schon immer gefragt, was das eine für das andere bedeutet. Tatsächlich bekam ich von ihm dann eine Antwort, die sehr das spiegelte, was auch mein Gedankenkarussell immer antrieb: Die Qualität der Liebe wird maßgeblich durch das Bewusstsein der Endlichkeit beeinflusst bzw. verleiht ihr ein Fundament. Dieses besteht aus dem Wunsch sie zu fühlen, sie auszuleben, eben weil wir wissen, dass es ein Ende gibt. Das Ende der Beziehung, das Ende der Leidenschaft, das Ende des Lebens. 

Bedingungslosigkeit statt Habgier

Er brachte den Film “Interview mit einem Vampir” zur Sprache und dass er wohl gut darstellen würde, was wir mit der Unendlichkeit anfangen würden. Wir würden gierig werden, immer nach dem nächsten Funken Leidenschaft und nach Gefühlen gieren, sodass wir nie jemals “ankommen” oder im Moment leben könnten. Zu wissen, dass alles endet kann uns befreien. Von dem Zwang der Perfektion, von der Angst etwas nicht zu wagen, weil die Angst es zu verpassen viel größer und realistischer scheint. Schmunzelnd erinnerte ich mich an ein Lied, das dieses Phänomen gut beschreibt und immer eins meiner Lieblingslieder sein wird, wenn es zu diesem Thema kommt: “If we were vampires”. Hört es mal- es ist inhaltlich genau das, wovon ich hier schreibe, nur viel bildlicher und schöner und zauberhaft gesungen. Vielleicht gibt es ja diese Theorien über Vampire genau deshalb- damit wir unsere Sterblichkeit lieben lernen.

Mein zweites Fazit lautet also: Die Endlichkeit kann uns dazu einladen, bedingungslos zu lieben, weil wir um die Einzigartigkeit jeder Chance wissen. Es bleibt die Frage, ob wir diese Einladung annehmen.

Zwischen der Liebe und dem Tod liegt auch Schuld

Zu guter Letzt fragte ich einen Freund, der die Sorte Mensch ist, die immer die richtigen Fragen stellen. Jemand mit dem man Gespräche führt, die so bereichernd sind, dass es einem das Herz mit Glück & Weisheit flutet. Nun wollte ich aber eine Frage stellen und musste erkennen: Antworten kann er genau so weise und inspirierend! Somit war es eben diese, seine Antwort, die meine Perspektive zu diesem Thema aus den Angeln hob. Er schrieb mir sehr viel und ausführlich über seine Wahrnehmung zu Tod, Liebe, Trennungen, Trauer und damit einhergehenden Gefühlen wie auch der Schuld. Ich habe die Endlichkeit von vielen Seiten betrachtet aber diese feinen Nuancen und auch das Thema Schuld waren hier wie eine neue Erkenntnis. Auch, wenn wir sicher alle wissen, was es oder dass es etwas in einem macht, wenn wir einen Menschen verlassen. Sei es aus einer Freundschaft heraus oder mit dem Ende einer partnerschaftlichen Beziehung. Ab hier fühlte es sich an als würden wir nicht über Themen und Gefühle, sondern über Kräfte, die aufeinander wirken, sprechen.

Liebe verleiht uns Macht

Am Ende habe ich seinen Zeilen etwas entnommen, bei dem ich nicht sicher bin, ob er das sagen wollte. Aber ich verstand, dass es unabhängig von einem Ende in jedweder Form die Liebe ist, die uns die Macht verleiht weiterzuleben und dieses, jedes Ende zu verkraften. Wahrscheinlich die edelste und schönste Form von Macht, die es gibt.

Es ist also nicht die Zeit, es ist nicht das Ende selbst, es ist die Liebe, die uns innerliche Verbindungen weiter spüren lässt, die uns irgendwann erlaubt Frieden zu finden und die uns auch von Schuld befreien kann. 

Durch Liebe das Ende annehmen können

Eine der größten, öffentlichen Liebeserklärungen unserer Zeit, die mir durch diesen Austausch wieder in Erinnerung trat, war eine Kolumne- DIE Kolumne. Es war die letzte Kolumne von Amy Krouse Rosenthal und sie trug den Titel “You may want to marry my husband”. Sie war an Krebs erkrankt und schrieb diese Zeilen herzzerreißend und all ihre Liebe für ihren Mann offenbarend. Sie beschrieb ihn mit Humor und Bewunderung und lud Leserinnen dazu ein ihn zu kontaktieren und Teil seines neuen Lebens- das sie sich so sehr für ihn wünschte- zu werden. Wir müssen nicht weiter über die Größe dieser Geste nachdenken aber die Konsequenz ist beachtlich. 

Ein Jahr nach ihrem Tod sprach ihr Mann bei einem Ted-Talk über ihre Worte, die Bedeutung darin für ihn und seine tiefe Dankbarkeit. Sie hatte ihm nämlich einen großen Teil der Schuld genommen, die er hätte empfinden können, während er ein neues Leben, eines ohne sie beginnen sollte. Sie hatte nicht nur die ganze Welt dazu eingeladen diesen Mann zu lieben, sondern hat ihn wissen lassen, dass er ein neues Leben beginnen darf. Nein, sogar dass das ihr letzter Wunsch ist.

Mein letztes Fazit also zu der Frage “Was fällt dir zu Liebe&Tod ein?” ist, dass wir die Liebe brauchen, um den Tod anzunehmen. Man könnte sie als Brücke sehen, zwischen Leben und Tod. 

Was verbindest DU mit der Liebe & dem Tod?

Das waren nun viele, große Gedanken innerhalb einer überhaupt nicht repräsentativen, kleinen Umfrage aber vielleicht hast du dich getraut selber dein Herz zu dieser Frage zu bewegen. Vielleicht hat dich der eine oder andere Absatz gepackt, bewegt, dich verstanden oder sogar weitere Fragen aufgeworfen, die dich in einen Dialog mit der Liebe und dem Tod bringen. Und das war ehrlich gesagt alles, was ich bezwecken wollte. Danke, dass du mit mir diesen kleinen Ausflug gewagt hast. 

Zum Schluss und für dein Herz, stelle ich dir also die Frage:

“Was fällt dir zum Thema Tod und Liebe ein?”

Von Herzen, 

Luna

P.S.: Danke an Geraldine Hoffmann für die fabelhaften Bilder, die genau zeigen wer ich bin.

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