Hochzeit und Trauer

Der (vermeintlich) schönste Tag in meinem Leben.

Ob Geburtstag, Schulabschluss, Weihnachten oder Hochzeit - Das Leben schenkt uns viele feierliche Momente. Das Besondere an ihnen ist, dass wir sie mit unseren Liebsten teilen können. Doch für Trauernde sind es oft die Tage, die den Verlust eines geliebten Menschen so richtig real machen. Auch für mich sind die Meilensteine meines Lebens immer wieder die Momente, in denen der Schmerz über den Tod meines Vaters, besonders stark ist.

Trauern, obwohl wir glücklich sind

Als ich meinen zukünftigen Ehemann traf, wusste ich sehr schnell, dass ich mit diesem Menschen mein Leben verbringen will. Als wir beschlossen zu heiraten, war ich überglücklich. Doch die Trauer ist mein ständiger Begleiter. Sie kam in den verschiedensten Momenten aus ihrem Versteck: Nachts, kurz vor dem Einschlafen. Auf Parties, umgeben von tanzenden, lachenden Menschen. In der U-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit. Die Trauer übernahm in diesen Momenten meine Gedanken und zeigte sich erbarmungslos: Denn, mein Vater wird mich nie als Braut erleben oder meinen Mann kennenlernen. Dinge, die ich weiß, die man als trauernde Tochter aber gerne verdrängt.

Die Braut, die sich (nicht) traut zu trauern

Wenn einen die Trauer so übermannt, kann die Planung der eigenen Hochzeit zu einer extrem emotionalen Achterbahnfahrt werden. Ich stürzte mich wie eine Besessene in die Planung des perfekten Braut-Outfits, googelte stundenlang nach Brautsträußen und dem richtigen Design der Einladungskarten. Um das mal vorneweg zu nehmen, alles Dinge, die am Tag der Hochzeit völlig unwichtig sind! Doch ich wollte mich ablenken von der Tatsache, dass ich meine Hochzeit ohne meinen Vater feiern muss. Und natürlich waren meine Ablenkungsmanöver eine Farce. In der Woche vor der Hochzeit war ich ein emotionales Wrack. Schon der kleinste Windstoß brachte mich zum weinen.

Das hat mir rund um die Hochzeit geholfen

Die Hochzeit war ein wichtiger Meilenstein in meiner Trauerarbeit. Denn ich habe mich so intensiv, wie schon lange nicht mehr, mit dem Tod meines Vaters auseinandersetzen müssen. Diese vier Dinge haben mir dabei geholfen und den Tag trotzdem zu einem der schönsten in meinem Leben gemacht.

  • Ein Portrait meines Vaters Meine Tante half mir dabei, ein schönes Portrait meines Vaters und einen Bilderrahmen auszuwählen. Sein Portrait stand im Standesamt auf dem Tisch, auf der Wiese beim Sektempfang und beim Hochzeitsessen im Restaurant. Die Anwesenheit des Bildes, hat mich auf eine besondere Art beruhigt.

  • Familienfotos mit ALLEN Liebsten Ich beschloss sein Foto auch auf den Familienfotos zu integrieren. Ich hielt sein Bild dabei in meinen Händen. Denn auch wenn er nicht mehr lebt, er ist ein Teil von mir und er ist nach wie vor ein wichtiger Teil der Familie. Und somit auch ein wichtiger Part der Familienfotos.

Sich einer Person zu öffnen, fällt oft schwer und macht verletzlich. Doch es ist wichtig...

  • Sich jemandem anvertrauen Eine Person, die meine Traurigkeit besonders nah miterlebt hat, ist mein Ehemann. Und auch wenn ich mit ihm nicht im Detail über meine Trauer sprechen konnte, habe ich ihm erklärt, wieso für mich unsere Hochzeit in vielen Momenten eben besonders emotional und auch schmerzhaft ist. Er kann mir die Trauer natürlich nicht abnehmen, aber es hilft, dass er da ist und zuhört. Sich einer Person zu öffnen, fällt oft schwer und macht verletzlich. Doch es ist wichtig, denn nur so kann das Umfeld die eigenen Stimmungen besser verstehen und darauf eingehen.

  • Weinen und Lachen Ich hatte Angst vor meiner Hochzeit, weil ich nicht wusste, wie emotional ich an dem Tag sein würde. Doch die schöne Erkenntnis war, dass trotz des Verlustes, das Leben auch viele wunderbare Dinge für einen bereithält. Man kann glücklich sein und trotzdem trauern. Wir erleben Verlust und Schmerz, aber wir müssen auch Raum lassen, für die schönen Dinge des Lebens und das Glück, welches noch auf uns wartet.

Das waren meine Erfahrungen als Braut. Wenn Ihr uns von Tipps oder Erlebnissen zum Thema Trauer und Hochzeit etwas schreiben möchtet, freuen wir uns sehr über eure Geschichten an: stories@emmora.de

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