…und dann pflanzt Lavendel auf mein Grab.

Wie der Tod meines Bruders mich gnadenlose Akzeptanz lehrt und mich auf meinen eigenen Abschied vorbereitet.

Mein großer Bruder war 24 Jahre alt, als er seine tödliche Krebsdiagnose erhielt, so alt wie ich jetzt bin. Damals kam er mir mit 24 schon sehr erwachsen und weise vor. Jetzt sitze ich hier, um mich herrscht Chaos, und ich frage mich immer noch, wie das Leben eigentlich funktionieren soll. Seit zwei Jahren bin ich in Trauer, und ich hasse es, das zuzugeben. Eigentlich sah alles blendend aus für mich: Ich war jung, motiviert, wollte Musik machen und die Welt erobern. Eine Weile lang hat das auch ganz gut geklappt. Komplett unerwartet kam dann das Wissen dazu: Mein Bruder wird sterben, keine Behandlung oder Therapie wird das noch ändern können. Was folgte waren Schock, Wut, Trauer, Verleugnung - das volle Programm. Mein großer Bruder, mein Kindheitsheld, mein großes Vorbild, mein Beschützer. Was bisher das Selbstverständlichste auf der Welt war, wurde plötzlich unendlich zerbrechlich. Vor allem kam mit seiner Diagnose die Angst: Wann kommt der Anruf? Wird er leiden? Wie wird das Leben ohne ihn, was wird aus unseren Eltern? Was wird aus mir? Der Sommer 2018 kam und ging, und mit ihm mein Bruder. 

So oft denke ich, wäre ich lieber selbst gestorben, hätte ich die Wahl gehabt. Hatte ich aber nicht. Wie bei so vielem im Leben. Nachdem der erste (und auch der zweite und dritte) Schock sich gelegt hat, kann ich nun langsam sehen, was die letzten Jahre mir noch gebracht haben: Gelassenheit. Ich werde sowieso irgendwann sterben, wieso dann noch wegen Kleinigkeiten streiten? Wieso nicht die kleinen Dinge genießen, wie die ausgedehnte Kaffeepause mit meinem besten Freund, oder dem spontanen Trip an den nächsten See, obwohl ich „eigentlich“ zu viel zu tun habe? Arbeiten kann ich schließlich immer, aber wer weiß, wie lange die Sonne noch so schön scheint? Am Ende regelt sich sowieso alles irgendwie. Und wenn ich eines gelernt habe, dann, dass ich so viel weniger kontrollieren kann, als ich bisher dachte. 

Mit der Diagnose und dem Tod meines Bruders kamen auch Phantasien über meinen eigenen Abschied. Ich würde mein Leben nie vorsätzlich beenden, aber ich weiß jetzt, dass es keine Garantie dafür gibt, alt zu werden. Habe ich schon alles erlebt, was ich erleben wollte? Lebe ich mein Leben so, dass ich guten Gewissens dort aufhören könnte, wo ich jetzt bin? Was lasse ich zurück? Die Antworten auf meine Fragen fand ich schon immer in der Musik. Ich habe meine Musik zum Trauern (hier ein großes Dankeschön an Linking Park) und Musik, um wieder bessere Laune zu bekommen (danke an Stevie Wonder). Und ich habe mir selbst Lieder geschrieben. Für meine schlaflosen Nächte, als Trost gegen die Trauer, die sich so oft wie Einsamkeit anfühlt.  Ich weiß nicht, wo ich jetzt wäre, hätte ich nicht dieses Ventil, um meine Gefühle auszudrücken. 

„Denn wenn der erste stirbt, den du liebst, fängt dein Leben erst an. Wenn du einmal gelernt hast, was Schmerz wirklich ist, ändert sich dein Blick, ändert sich deine Definition von Glück.“ (aus meinem Lied „Lavendel“)

Auf dass die Endlichkeit Deinen Blick für das Glück schärfe – schließlich sind wir alle nicht ewig hier. 

Deine Gloria

Ich bin Gloria, 24 Jahre alt, trauernde Schwester und Musikerin. Ich schreibe Lieder über all die Dinge, die ich anders nicht sagen könnte. Meine letzte CD und der Gedichtband „Wenn es dunkel bleibt“ beschäftigen sich mit meiner Trauer, ihr könnt sie hier anhören: 

https://lnkfi.re/gloriablau-wennesdunkelbleibt

 

hier ansehen:

https://www.youtube.com/gloriablau

und hier mitsamt „Survival Box“ bestellen:

https://gloriablau.de/shop 

Alle Infos & Termine: 

https://gloriablau.de/

Kommt mit hinter die Kulissen: 

https://facebook.com/gloriablaumusik 

https://instagram.com/gloriablau 

Weitere Artikel lesen

Das könnte Dich auch interessieren.

Einen besonderen Abschied gestalten?

Mehr erfahren

Wir sind jederzeit telefonisch für Dich erreichbar.

  • Öffnungszeiten 8 - 21 Uhr
  • 030 233 273 47
  • info@emmora.de