Frühe Symptome und erste Anzeichen einer Depression

Schlechte Laune, Niedergeschlagenheit und so Tage, an denen man sich am liebsten im Bett verstecken möchte: Jeder kennt das! Wenn das Aufstehen in der Früh aber zunehmend schwerer fällt und sich Hoffnungslosigkeit über den Alltag legt wie ein grauer Schleier, dann wird aus dem seelischen Tief eine Krankheit. 

Wenn die Lebenslust verschwindet und die Welt im Nebel versinkt 

Die ersten Anzeichen einer Depression werden häufig mit “normalen Stimmungsschwankungen” verwechselt und sowohl Betroffene als auch Angehörige warten oft vergeblich darauf, bis diese Phase wieder vorübergeht. Woran erkennt man aber tatsächlich den Unterschied zwischen einer schlechten Stimmung und einer depressiven Erkrankung? 

Entscheidend für die Diagnose ist nicht nur die Anzahl an typischen Symptomen, sondern auch die Dauer deren Auftreten. Von einer depressiven Episode spricht man beispielsweise dann, wenn folgende Symptome für mindestens zwei Wochen beobachtet werden: 

  • Niedergeschlagenheit 

  • Interessen- und Freudeverlust 

  • Energiemangel

  • Schlafstörungen 

  • Antriebslosigkeit 

  • Emotionale Leere 

Angehörige im Schatten der Depression 

Die Depression ist eine Erkrankung, die kaum nur den Betroffenens selbst berührt. In vielen Fällen steht ein dichtes Netz an Angehörigen und Kollegen dahinter, die oft rat- und hilflos zusehen müssen. Auch wenn ein Angehöriger niemals einen Psychologen oder eine Therapeutin ersetzen kann, so können kleine Gesten eine immense Unterstützung darstellen: Depressive Menschen ziehen sich oftmals zurück, empfinden die daraus entstehende Einsamkeit aber gleichzeitig als schmerzhaft und quälend. Umso wichtiger ist es als Angehöriger, die Nähe zu den Betroffenen auch weiterhin zu suchen. Es geht dabei nicht darum, die Symptome der Erkrankung zu lindern - viel mehr geht es darum, Geborgenheit zu geben, aufmerksam zu sein und zu vermitteln “Ich bin für dich da! Wir stehen das gemeinsam durch”. 

Tabuthema Suizidalität: Darüber reden und Leben retten  

Menschen, die an Suizid denken, geben häufig Hinweise und Zeichen, die auf eine massive Krise hindeuten. Um den Ernstfall zu verhindern, müssen Warnsignale stets erkannt und ernst genommen werden: ein ungewöhnlicher sozialer Rückzug und das Aufgeben jeglicher Aktivitäten, die einst wichtig waren, sind erste Verhaltensweisen, die nicht ignoriert werden sollten. Häufig zeigen diese Personen hoch riskantes Verhalten, neigen zu Substanzmissbrauch und fallen durch Selbstverletzung auf. Die Regelung persönlicher Angelegenheiten sowie das Schreiben von Abschiedsbriefen sind Gesten, die niemals außer Acht gelassen werden dürfen. Häufig haben Angehörigen Angst, dieses Thema anzusprechen - doch genau hier kann das offene Gespräch Leben retten! 

Ohne mich geht es euch ohnehin besser

Oft sind es nicht nur subtile Verhaltensweisen die auf eine bedrohliche Krise hindeuten, sondern auch ganz konkrete verbale Äußerungen. Typisch hierbei sind Aussagen oder Gedanken wie “Nichts was ich mache, ändert etwas - mir kann sowieso niemand helfen” oder “Ich passe einfach nicht in diese Welt”. Dies sind Anzeichen für Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit, mangelndes Zugehörigkeitsgefühl und die Überzeugung, für andere eine Last zu sein. Diesen Aussagen folgen häufig detaillierte Gespräche über Tod und Sterben sowie genaue Vorstellungen davon, wie ein Suizid vollzogen werden könnte. Hierbei ist es wichtig, dies nicht als einen “Schrei nach Aufmerksamkeit” unter den Tisch zu kehren, sondern achtsam zu sein und ärztlichen Rat einzuholen. 

Lichtblicke am Horizont: Hoffnung ist erlaubt

Die Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die ein multiprofessionelles Team einfordert, um Betroffene wieder zurück ins Leben zu holen. Der Weg kann teilweise mühsam und anstrengend sein und bereits kleinste Schritte müssen als Erfolge gefeiert werden. Man weiß aber mittlerweile, dass die depressive Erkrankung medikamentös und psychologisch gut behandelbar ist und Betroffene wieder zu Lebensfreude und -qualität gelangen können. Häufig erleben Patienten und Patientinnen die Zeit der Erkrankung im Nachhinein als wegweisend und beschreiben, notwendige Lehren aus der Episode gezogen zu haben. Im besten Fall können Betroffene gestärkt daraus hervorgehen und dürfen die Gewissheit spüren, auf ein soziales Netz zurückgreifen zu können, das sie im Ernstfall auffangen kann. 

Über die Autorin 

Mag. Kerstin Jäger ist Klinische- und Gesundheitspsychologin bei Instahelp, der Plattform für psychologische Beratung online. Die Beratungsschwerpunkte sind Partnerschaft & Sexualität sowie Angst- und Panikerkrankungen. 

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