Das Lebensende in der Popkultur

Wir sind Elsa und Luna - wir schreiben beide für das Emmora Magazin. Unsere Mission in diesem Format ist es, uns Serien, Filme und Musik anzuhören und anzusehen und dabei genau auf die Themen Bestattung, Trauer und Tod zu achten. Wenn man nämlich beruflich in dem Thema steckt, kann man von bizarren bis hin zu interessanten Dingen viel zwischen den Zeilen entdecken!

Heute geht es um die Netlfix-Serie “Dead to me”! (Vorsicht- Spoiler-Alarm!)

Luna: Ich hab extra ein paar Kritiken gelesen, weil ich aus einer speziellen Perspektive auf die Serie schaue. Ich begleite Menschen in Trauer und da erlebt man ALLES, was möglich und unmöglich ist. Ich denke meine Absurditätsgrenze ist einfach recht locker gesteckt, während Blogger und Journalisten wahrscheinlich der Norm aus dem Herzen sprechen, wenn sie sagen “Die Gagdichte ließ zu wünschen übrig.” Bitte was?! Endlich, endlich hab ich mal wieder ehrlich gelacht während einer Serie. Gerade bei so einem Thema wäre eine noch höhere Gagdichte doch ziemlich schräg. Viele finden dadurch jedoch auch, dass es dem Genre der schwarzen Komödie nicht gerecht wird.

Elsa: Absolut-Man muss vielleicht erwähnen, dass Dead to Me nicht ganz einfach einem Genre zuzuordnen ist. Die Serie ist lustig, böse, gruselig, wahnsinnig spannend und emotional. Netflix nennt es Dark Comedy und ich finde das passt eigentlich ganz gut.

Luna: Dramedy wird sie auch genannt. Das finde ich am Ende fast noch am passendsten.

Das Abrechnen mit Trauergruppen

Elsa: Stimmt! Doch lass uns über den Anfang der Serie reden. Es beginnt ja mit einem Trauerfall. Jen, Mutter zweier Kinder, hat ihren Ehemann verloren. Er wurde überfahren, die Täter sind nicht gefasst. Und die Wucht dieses plötzlichen Verlustes spürt man außerordentlich intensiv, gespielt von Christina Applegate. Dann kommt die Therapiegruppe. Ich finde es unfassbar gut, wie Jen absolut null Bock hat sich in einen Stuhlkreis zu setzen, um über ihre Gefühle zu sprechen. Diese Szene ist wahnsinnig überspitzt und Klischeehaft dargestellt aber ich verstehe sie. Sie ist auch einfach noch zu aggressiv, um sich so vor anderen zu öffnen.

Luna: Erst war ich ein bisschen schockiert wie so eine Trauergruppe wirken kann, schließlich verbringe ich jedes zweite Wochenende damit, solch eine Gruppe mit einer großartigen Kollegin und Freundin zu organisieren und wir lieben diese Arbeit. Bisher gab es auch noch keine Jen in unserer Gruppe - aber ausschließen will ich für die Zukunft nichts. Aber ja - es gibt manchmal natürlich auch für das richtige Thema die falsche Umgebung. Allerdings glaube ich das, was Judy und Jen in der Gruppe trotzdem haben, ist das Gefühl der Gemeinschaft. Schließlich finden die beiden auch einander dort. Jen ist ja generell auch emotional verschlossener und daher liegt ihr Bedürfnis vielleicht nicht in einem Gespräch darüber was sie verloren hat, sonder eher in der Erkenntnis, dass sie damit nicht alleine ist. Vielleicht muss sie sich gar nicht so weit öffnen, um einen Gewinn in der Trauerrunde zu sehen. Und wenn es nur die Begegnung mit Judy ist! :D

Elsa: Ja genau, Jen lernt in dieser Gruppe nämlich Judy (Linda Cardellini) kennen. Verschiedener könnten die zwei Frauen nicht sein. Jen ist zynisch, wütend und Judy das komplette Gegenteil: warmherzig, offen, und grund positiv. Vermutlich ist es genau diese Gegensätzlichkeit, die die beiden zueinander bringt und hilft, ihre Trauer, die sie wegen zwei komplett verschiedener Dinge haben, auszuleben.

Luna: Ich glaube sie gehen einfach furchtlos und mit einem Verständnis für Schmerz aufeinander zu. Das passiert einem nicht oft, wenn man so tief trauert.

Der Umgang mit Trauernden

Elsa: Da fällt mir glatt folgende Szene ein, die ich total super fand: Und zwar als Jens etwas nervige Nachbarin vorbeikommt, um ihr essen zu bringen. Natürlich versucht sie ihr Mitgefühl auszudrücken und sagt auch ehrlich, dass sie sich gar nicht vorstellen kann, wie es Jen jetzt geht. Und die Antwort von Jen ist einfach ehrlich und trocken. Denn, klar, wie soll es einem gehen, nachdem der eigene Ehemann von einem Auto überfahren wurde und der Täter einfach weggefahren ist. Und die Nachbarin ist natürlich mit dieser Ehrlichkeit überrumpelt. Ich finde das verkörpert ganz gut, die Diskrepanz, die oft zwischen Trauernden und nicht Trauernden herrscht. Denn oft haben Menschen das Gefühl, sie könnten nicht normal mit einem Trauernden reden. Und ja,ich glaube es herrscht eine große Unsicherheit, wie man mit den Hinterbliebenen kommuniziert.

Luna: Absolut! Wobei ich es schade finde, wenn kleine Gesten wie das Vorbeibringen von Essen so negativ dargestellt werden. An sich ist das nämlich eigentlich sehr klug. Jemandem, der durch den Verlust als allerletztes ans Essen denkt, etwas Leckeres zu kochen, wäre auch durchaus einer meiner Tipps, wenn mich jemand fragt wie man “helfen” könnte. Das ist schon recht fürsorglich und es heißt ja nicht umsonst: Liebe geht durch den Magen! Aber Jens Nachbarin ist tatsächlich ständig mit der falschen Haltung am falschen Ort- da geh ich absolut mit!

Die Trauer und die Wut

Elsa: Kommen wir nochmal zurück zu Jen und ihrem Mann. Im Laufe von Staffel 1 stellt sich heraus, dass er nicht der perfekte Ehemann war. Er hatte eine Affäre und ist Jen nach ihrer Brustkrebs Erkrankung vor allem mit Ablehnung begegnet. All diese negativen Gefühle und unschönen Geheimnisse kommen also nach und nach ans Tageslicht. Die Wut über den Tod schlägt um in Wut auf ihren Mann. Für mich wirkte es manchmal so, als wollte die Serie die Schwere des Verlustes lindern, in dem man den toten Ehemann zu einem Menschen macht, den man aufgrund seiner Fehler nur hassen kann.

Luna: Diese Kette an Ereignissen und Geheimnissen, die da aufgedeckt wird, finde ich gar nicht mal so absurd. Es gibt z.B. das Phänomen, dass Witwen ihre verstorbenen Männer glorifizieren. Hier wird diese Option ganz klar gebrochen und wir beobachten ein weiteres, normales Phänomen der Trauer: die Wut auf einen Toten. Das klingt ja meist für Außenstehende sehr grausam- vielleicht besaß da ein Produzent echt die Pfiffigkeit das durch diese Wendung und die Wahrheit über den verstorbenen Mann trotzdem darstellen zu können. Wie lautet unser Schluss-Fazit zu dieser wilden Serie?

Dead to me - Bitte mehr davon!

Elsa: Alles in allem ist Dead to Me eine Serie die Spaß macht. Die Geschichte ist spannend humorvoll und wie sie mit dem Thema Trauer umgeht ist erfrischend und ehrlich, wenn auch oft etwas überspitzt. Ich bin gespannt, was in Staffel 3 passiert.

Luna: Ich auch! Total! Ich habe ja angefangen diese Serie zu gucken und dachte eher, dass es eine meiner typischen Ich- mach-tausend-Dinge-nebenbei-Serien wird. Aber ich lag ja mal sowas von falsch. Ich bin hin und weg vor lauter Begeisterung! Ein Hoch auf schwarzen Humor, Christina Applegate und die erste Serie, die dem Thema Trauer auf absurdeste Weise aber genau deshalb sehr authentisch gerecht wird!!!

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